In vielen Unternehmen gibt es mehr als genug Zahlen. Umsätze, Kosten, Kontostände, Auswertungen von der Steuerberatung oder interne Reports. Trotzdem fehlt oft das Gefühl, wirklich zu wissen, wo das Unternehmen gerade steht. Entscheidungen werden getroffen, Termine gesetzt, Investitionen geplant. Häufig mit einem gewissen Bauchgefühl und der Hoffnung, dass es schon passen wird. Der Schlüssel ist aber Finanzen vorwärts zu denken.
Genau da kann ein gut aufgebautes Controlling ansetzen. Nicht als Kontrolle, nicht als Rückblick, sondern als Instrument, das Unternehmen hilft, ihre Finanzen aktiv zu steuern. Controlling bedeutet, finanzielle Zusammenhänge zu verstehen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und bewusst in die Zukunft zu planen. Also viel mehr als einfach nur zu kontrollieren.
1. Controlling ist kein Rückblick, sondern Steuerung
Modernes Controlling setzt früher an. Es fragt nicht nur, was passiert ist, sondern vor allem warum – und welche Konsequenzen sich daraus für die nächsten Monate ergeben. Es verbindet Zahlen mit unternehmerischen Entscheidungen und macht sichtbar, welche Stellschrauben tatsächlich relevant sind.
Damit wird Controlling zu einem Führungsinstrument. Nicht theoretisch und zwingend hoch komplex, sondern ganz praktisch im Alltag.
2. „To be in control“ – was das im Unternehmen bedeutet
„In control sein“ heißt nicht, jede einzelne Zahl im Detail zu kennen. Es heißt, jederzeit einschätzen zu können, wie stabil das Unternehmen finanziell aufgestellt ist und welche Auswirkungen Entscheidungen haben. UnternehmerInnen, die wirklich in control sind, können beantworten:
- Wie entwickelt sich die Liquidität, wenn Umsätze schwanken?
- Welche Kosten sind fix, welche variabel – und wo besteht Handlungsspielraum?
- Welche Projekte, Produkte oder Leistungen tragen tatsächlich zum Ergebnis bei?
Controlling schafft diese Klarheit. Es reduziert Unsicherheit und gibt Struktur. Gerade in Phasen von Wachstum, Veränderungen oder wirtschaftlicher Unsicherheit.
3. Controlling ist keine Frage der Unternehmensgröße
Oft wird Controlling als Thema für große Unternehmen oder Konzerne gesehen. In der Praxis zeigt sich jedoch das Gegenteil. Gerade kleine Unternehmen, EPUs und KMUs profitieren besonders von einer klaren finanziellen Steuerung. Je kleiner das Unternehmen, desto geringer sind finanzielle Puffer. Fehlentscheidungen wirken schneller, Liquiditätsengpässe entstehen rascher und lassen wenig Zeit zum Gegensteuern. Controlling hilft hier, Risiken früh zu erkennen und Entscheidungen bewusster zu treffen, ohne unnötige Komplexität.
Meine Empfehlung ist, dass sich wirklich jedes Unternehmen – ja, auch Solo-Selbstständige ein Controlling aufbauen. Es geht nicht darum, alles zu messen und sich künstlich zu beschäftigen. Es geht darum, das Richtige zu messen. Und sei es die Höhe deiner Steuerzahlungen, damit du dir ausreichend Geld dafür zur Seite legst. Das ist auch Controlling!
4. Warum Controlling oft als mühsam empfunden wird
Controlling hat häufig deshalb einen schlechten Ruf, weil es falsch umgesetzt wird. Zu viele Kennzahlen, manuelle Auswertungen, komplexe Tabellen und kein klarer Fokus führen dazu, dass Zahlenarbeit als Belastung empfunden wird. Am Ende vom Tag ist der Mehrwert nicht groß genug, um den Aufwand dafür „zu entschädigen“. Ja, das klingt ganz schön dramatisch aber gutes Controlling ist dabei genau das Gegenteil. Es vereinfacht. Es filtert Informationen und macht Zusammenhänge sichtbar. Statt Informationsflut entsteht Orientierung. Der entscheidende Punkt ist nicht die Menge an Daten, sondern deren Aussagekraft.
5. Wie setzt man Controlling nun um?
Zuerst macht es Sinn sich die Frage zu stellen, was genau möchte man machen.
- Welche Entscheidungen sollen unterstützt werden?
- Welche Kennzahlen sind dafür wirklich relevant?
- In welcher Regelmäßigkeit braucht es Auswertungen?
- uvm.
Parallel dazu stellt sich natürlich die Frage nach dem richtigen Tool bzw. Controlling-System. Excel ist im Controlling nach wie vor weit verbreitet und das zu Recht. Richtig aufgebaut und sinnvoll genutzt, lässt sich damit ein sehr leistungsfähiges Controlling-System abbilden – automatisiert mit Power Query und visualisiert mit Power BI.
Es macht also die Kombination mit automatisierter Datenaufbereitung, klaren Strukturen und aussagekräftigen Visualisierungen aus. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist diese Lösung oft effizienter, flexibler und besser anpassbar als große Softwarelösungen. Außerdem wesentlich kostengünstiger!
Entscheidend ist aber nicht das Tool selbst, sondern wie es eingesetzt wird.
6. Wann eine Controlling-Software sinnvoll wird
Mit zunehmender Unternehmensgröße steigen Datenmenge und Komplexität. In solchen Fällen können spezialisierte Controlling- oder ERP-Systeme sinnvoll sein, um Prozesse zu bündeln und Informationen zentral verfügbar zu machen.
Auch hier gilt jedoch: Eine Software ersetzt kein Controlling-Verständnis. Ohne klare Struktur, saubere Daten und definierte Steuerungslogik bleibt selbst das beste System ein reines Reporting-Tool ohne Mehrwert.
Fazit: Finanzen vorwärts denken statt Zahlen kontrollieren
Controlling bedeutet nicht, alles zu wissen oder jede Zahl zu kontrollieren. Es bedeutet, das Wesentliche zu erkennen, zu filtern und bewusst zu steuern. Unternehmen, die ihre Finanzen bereits vorwärts gedacht haben, schaffen Klarheit, reduzieren Unsicherheit und treffen bessere Entscheidungen. Genau darum geht es im modernen Controlling: Nicht Kontrolle, sondern in control bleiben.

