Für Unternehmer:innen ist Liquidität überlebenswichtig. Selbst wenn dein Unternehmen profitabel ist, kann ein kurzfristiger Engpass gefährlich werden – etwa, wenn eine große Rechnung fällig wird, bevor dein:e Kund:in gezahlt hat. In diesem Beitrag erfährst du, warum eine Liquiditätsplanung unverzichtbar ist, wie sie funktioniert und wie du sie in wenigen Schritten selbst umsetzt.
Was ist eine Liquiditätsplanung?
Wie der Name schon verrät, dreht sich hier alles um Liquidität, also deine flüssigen Mittel. Das sind sämtliche Mittel, welche dir unmittelbar zur Verfügung stehen. Du kannst also jederzeit und sofort darauf zugreifen. Das ist das Geld auf deinem Girokonto und wenn du im Unternehmen eine Kassa hast, das Bargeld in dieser Kassa. Im Gegensatz dazu stehen gebundene Mittel wie z.B. das Stammkapital, welches du in eine GmbH einbringen musst. Auf dieses Kapital – Geld – kannst du nicht zugreifen, da es für einen Zweck bestimmt ist.
Mit einer Liquiditätsplanung planst du also deine Geldbewegungen voraus, um abschätzen zu können, wie sich dein Kontostand entwickelt. Das bedeutet du kennst z.B. deinen Kontostand am 1.10. und möchtest diesen bis zum 31.12. vorausplanen. Je nachdem wie genau du nun planen möchtest, kannst du jeweils pro Woche oder pro Monat Ein- und Auszahlungen planen. Gerade für Ein-Personen-Unternehmen ist eine monatliche Liquiditätsplanung meistens ausreichend. Eine Planung pro Woche kann definitiv Sinn machen, wenn die liquiden Mittel knapp sind und z.B. auch regelmäßig Gehälter überwiesen werden müssen.
In der Praxis wird die Liquiditätsplanung vorwiegend als ein kurzfristiges Tool verwendet. Das heißt für die Planung von ein paar Wochen bis hin zu maximal einem Jahr. Eine Ausnahme ist natürlich die Liquiditätsplanung in einem Businessplan im Zuge der Unternehmensgründung. Hier möchtest du schließlich darstellen, wie sich dein Kontostand in den 2-3 Jahren positiv entwickelt.
Typische Einsatzgründe für Selbstständige & KMUs
- Planbarkeit des Kontostands
Willst du eine größere Anschaffung machen – zum Beispiel eine neue Ausstattung – hilft dir die Planung zu sehen, ob du sie auf einmal zahlen kannst oder besser auf Raten verteilst. - Frühwarnsystem bei Engpässen
Steht eine hohe Steuernachzahlung an, zeigt dir die Planung frühzeitig, ob und wie viel du an Rücklagen bilden musst. - Sichtbarkeit & Optimierung von Geldflüssen
Du machst gute Umsätze, aber fragst dich, wo das Geld jeden Monat bleibt? Die Planung gibt dir Antworten. - Sicherstellung der Überlebensfähigkeit
Du hast einen Großauftrag, bekommst das Geld aber erst in vier Wochen. Die Planung zeigt dir, ob du in der Zwischenzeit all deine Rechnungen bezahlen kannst.
Praxisbeispiel: IT-Agentur im B2B-Sektor
Stell dir vor, du führst eine IT-Agentur, die individuelle Softwarelösungen für Firmenkunden entwickelt:
- Am 9. Oktober schließt du ein Projekt für ein Unternehmen ab mit einem Auftragswert von 9.000 €.
- Am 20. Oktober stellst du die Rechnung an den Kunden.
- Am 4. November erhältst du die Zahlung des Kunden.
Bis dahin läuft alles nach Plan – bis dir auffällt: Die Lizenzgebühren für wichtige Software-Tools in Höhe von 2.000 € werden bereits am 1. November automatisch vom Konto abgebucht.
Hier wird deutlich: Umsatz ist nicht gleich verfügbare Liquidität. Mit einer Liquiditätsplanung hättest du schon Wochen vorher gesehen, dass ein Engpass droht – und rechtzeitig Maßnahmen ergriffen.
So erstellst du deine Liquiditätsplanung – Schritt für Schritt
Damit du nie in so eine Situation gerätst, kannst du dir als Selbstständige*r oder KMU deine Liquiditätsplanung erstellen. Im Grunde baust du deine Liquiditätsplanung aus den folgenden Bestandteilen zusammen:
- Anfangsbestand deiner Liquidität erfassen (aktueller Bankkontostand + Kassastand, wenn vorhanden)
- Einzahlungen auflisten (KundInnenzahlungen, sonstige Einnahmen, Privateinlagen, Kredite)
- Auszahlungen auflisten (Miete, Lizenzen, Gehälter, Versicherungen, Steuern, Sonstiges)
- Veränderung berechnen (Einzahlungen – Auszahlungen = Veränderung deiner liquiden Mittel)
- Endbestand deiner Liquidität ermitteln (Anfangsbestand ± Veränderung = Endbestand liquider Mittel)
So könntest du deine Liquiditätsplanung von Oktober bis Dezember erstellen:

Praxis-Tipp: Je mehr Transaktionen du hast, desto wichtiger ist eine strukturierte Vorlage (z. B. in Excel), die dir Arbeit abnimmt und manuelle Schritte und potentielle Fehler spart. Ich arbeite z.B. mit Power Query in Excel um einmalig eine Vorlage zu erstellen und aktualisiere somit automatisiert Monat für Monat die Daten. Das spart Zeit und Nerven!
Fazit: Liquiditätsplanung als Überlebensstrategie
Gerade für Selbstständige und KMUs ist Liquiditätsplanung kein „nice to have“, sondern ein Überlebensinstrument. Sie verschafft Überblick, verhindert böse Überraschungen und stabilisiert deine Finanzen im Unternehmen. Mit der richtigen Methode und einem effizienten Tool behältst du deine Liquidität im Griff – und kannst dich voll auf dein Kerngeschäft konzentrieren.

