Warum profitable Unternehmen trotzdem Geldprobleme haben

Liquiditätsplanung - Finanzielle Engpässe vermeiden | Anna Rennhofer

Dein Unternehmen macht Gewinn, aber auf dem Bankkonto wird es trotzdem knapp? Das ist kein Widerspruch. Liquiditätsprobleme trotz Gewinn entstehen häufiger, als viele Unternehmen vermuten. Denn Gewinn und Liquidität zeigen zwei unterschiedliche Seiten der finanziellen Situation eines Unternehmens.

Wie kann ein Unternehmen also profitabel sein und gleichzeitig Geldprobleme haben? Ein häufiger Grund ist, dass Gewinn und Liquidität miteinander verwechselt werden. Der Gewinn laut Buchhaltung sagt einfach etwas anderes aus als der Bankkontostand zu einem spezifischen Zeitpunkt. Warum das so ist und wie du Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen kannst, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Gewinn ist nicht dasselbe wie Geld am Konto

Gewinn entsteht in einem Unternehmen, wenn die Erträge höher sind als die Aufwendungen. Hierfür wird ein gesamter Zeitraum betrachtet wie z.B. ein Monat oder ein gesamtes Jahr.

Liquidität beschreibt im Gegensatz dazu, wie viel Geld zu einem spezifischen Zeitpunkt verfügbar ist, um Rechnungen, Gehälter, Steuern und andere Zahlungen zu leisten. Einen ersten Hinweis darauf gibt der Blick auf dein Bankkonto. Ob dein Unternehmen auch in den kommenden Wochen liquide bleibt, zeigt jedoch erst eine sorgfältige Liquiditätsplanung.

Das bedeutet, wir vergleichen einen Zeitraum mit einem Zeitpunkt? Da ist schon mal die erste Schwierigkeit. Es bedeutet nämlich der Gewinn wird über einen Zeitraum erwirtschaftet, während dein Geld, die Liquidität, zu einem spezifischen Tag gefragt ist. Das passt oft nicht zusammen und ich zeige dir hier in einem vereinfachten Beispiel warum:

Eine Agentur stellt im August eine Rechnung über 25.000 € an ihren Hauptkunden. Die Rechnung wird dieses Mal aber nicht wie üblich pünktlich innerhalb des Zahlungsziels bezahlt, sondern im Oktober. Somit fehlen bis Oktober ganze 25.000 €, mit welchen bereits gerechnet wurde.

Am Jahresende ist das genauso ein Gewinn aber die Situation am Bankkonto im August und September ist dadurch stark angespannt. In Folge müssen dadurch Investitionen verschoben werden oder es kommt sogar zu Zahlungsschwierigkeiten im laufenden Geschäft. Welche Gründe gibt es eigentlich noch für eine angespannte Liquidität?

Die häufigsten Gründe für Geldprobleme trotz Gewinn

Nummer 1: KundIn zahlt nicht oder später als geplant.

Wie schon erwähnt passiert es häufig, dass KundInnen später zahlen als vereinbart. Im schlimmsten Fall wird eine Forderung überhaupt nicht bezahlt. Die laufenden Ausgaben müssen in der Zwischenzeit trotzdem gedeckt werden.

Nummer 2: Das Unternehmen wächst schnell

Unternehmen, die wachsen, benötigen Kapital und das darf absolut nicht unterschätzt werden. Wachstum benötigt Geld für:

  • höhere Wareneinkäufe
  • mehr Marketing
  • zusätzliches Personal
  • größere Räumlichkeiten und Standortveränderungen
  • neue Software oder Maschinen

Hier sind wir wieder bei dem schon bekannten Zeitthema. Investitionen werden getätigt, bevor zusätzliche Umsätze kommen. Ausgaben entstehen, aber die Einnahmen lassen noch auf sich warten.

Nummer 3: Investitionen belasten das Bankkonto stärker als deinen Gewinn

Eine Investition wird in der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Gewinn-und-Verlust-Rechnung häufig über mehrere Jahre abgeschrieben. Abnutzbare Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten von mehr als 1.000 € und einer Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr werden steuerlich grundsätzlich über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben (aktuelle Gesetzeslage laut 28.08.2026). Bezahlt wird der volle Betrag meistens aber sofort oder innerhalb kurzer Zeit. Sehen wir uns das wieder in einem Beispiel an:

Eine Maschine kostet 60.000 € und wird über mehrere Jahre abgeschrieben. Der Gewinn wird dadurch jährlich nur mit einem Teil der Anschaffungskosten belastet. Vom Bankkonto fließen trotzdem sofort 60.000 € ab.

Nummer 4: Kredittilgungen reduzieren die Liquidität

Wurde einmal ein Kredit aufgenommen, muss dieser auch getilgt werden. Die Kreditaufnahme könnte eben aus einem stark wachsenden Unternehmen und/oder Investitionen resultieren. Kredittilgungen folgen dann meistens viertel- oder halbjährlich und auch das belastet dein Bankkonto. Hier wieder ein Beispiel:

Stell dir vor, ein Unternehmen erwirtschaftet laufend Gewinne. Im Juli muss es jedoch eine Kredittilgung von 10.000 € leisten. Gleichzeitig werden die Gehälter für die MitarbeiterInnen doppelt ausbezahlt, da das Urlaubsgeld ansteht. Innerhalb weniger Tage fließen dadurch deutlich mehr liquide Mittel ab als in einem durchschnittlichen Monat. Auf dem Bankkonto siehst du das sofort, während der Gewinn über das gesamte Jahr nicht so stark davon betroffen ist.

Genau hier zeigt sich auch wieder der Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität sehr schön: Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem vor einem kurzfristigen Geldproblem stehen.

Nummer 5: Steuern werden zu spät oder nicht eingeplant

Da Steuerzahlungen häufig erst später fällig werden, verliert man sie leicht aus den Augen. Dadurch wirkt die aktuelle Liquidität besser, als sie tatsächlich ist.

Besonders unangenehm wird es, wenn mehrere Zahlungen zusammentreffen:

Nummer 6: Privatentnahmen werden unterschätzt

Gerade bei Einzelunternehmen kann das Unternehmen profitabel sein, während gleichzeitig zu viel Geld für das Privatleben entnommen wird. Privatentnahmen reduzieren nicht den Gewinn in der Buchhaltung, sehr wohl aber das verfügbare Geld. Hier wiederum ein Beispiel:

Ein Einzelunternehmen macht 9.000€ Brutto-Gewinn im Monat. Die/der UnternehmerIn überweist sich davon 8.000 € auf sein/ihr Privatkonto. Somit verbleiben noch 1.000€. Wenn laufend die Mehrheit des Gewinns entnommen wird und keine Puffer am beruflichen Bankkonto gebildet werden, kann es knapp werden bei Steuernachzahlungen oder anderen unvorhergesehenen Zahlungsausgängen.

Nummer 7: Lagerbestände binden Kapital

Dieser Punkt betrifft Unternehmen mit physischen Produkten. Denn auch Waren und Produkte können die Liquidität belasten. Wenn Produkte auf Lager liegen, noch nicht weiterverarbeitet oder verkauft wurden, steckt somit Geld im Lager, welches aktuell nicht frei für andere Zahlungen zur Verfügung steht. 

Ein Beispiel: Ein Unternehmen kauft Produkte im Wert von 20.000 € ein. Davon werden zunächst nur Waren im Wert von 8.000 € verkauft. Die übrigen 12.000 € liegen weiterhin im Lager. Dieses Geld ist bereits vom Geschäftskonto abgeflossen, steht dem Unternehmen aber erst wieder zur Verfügung, wenn die Produkte verkauft und von den KundInnen bezahlt wurden.

Warum die Daten der Buchhaltung nicht reichen

Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Gewinn-und-Verlust-Rechnung beantwortet eine wichtige Frage: Arbeitet das Unternehmen gewinnbringend?

Die Buchhaltung beantwortet dir aber nicht die Frage: Ist in den nächsten Wochen und Monaten ausreichend Geld verfügbar? Dafür braucht es einen Perspektivenwechsel. Was hier zählt sind nicht Werte aus der Vergangenheit (= Buchhaltung), sondern folgende Informationen:

  • Aktuelle Bankkontostände
  • Offene Kundenrechnungen
  • Anstehende Lieferantenzahlungen
  • Steuerzahlungen
  • Kreditraten
  • Geplante Investitionen
  • Privatentnahmen beziehungsweise Ausschüttungen
  • Erwartete Ein- und Auszahlungen

Unternehmen brauchen eine Liquiditätsplanung

Hiermit ist nicht gemeint, einmal pro Jahr grob vorauszuplanen und dann die Datei verstauben zu lassen. Eine Liquiditätsplanung bedeutet regelmäßig damit zu arbeiten, um die Entwicklung des Bankkontos auch wirklich realistisch vorplanen und steuern zu können. Dafür musst du regelmäßig folgendes machen:

  1. Tatsächliche Bankkontostände übernehmen
  2. Erwartete Zahlungseingänge realistisch einschätzen
  3. Fixe und variable Auszahlungen einplanen
  4. Steuern und Sonderzahlungen vorplanen und berücksichtigen
  5. Die nächsten Wochen oder Monate laufend aktualisieren

Klare Zahlungsziele und konsequentes Forderungsmanagement

Eine Liquiditätsplanung allein reicht allerdings nicht. Entscheidend ist, welche Maßnahmen du aus den Ergebnissen ableitest.

  • Rechnungen zeitnah stellen
  • Offene Forderungen regelmäßig prüfen
  • Zahlungserinnerungen und Mahnungen nicht aufschieben
  • Zahlungsziele bewusst festlegen
  • Bei größeren Projekten mit Teilrechnungen oder Anzahlungen arbeiten
  • Investitionen gezielt vorausplanen und eventuelle Finanzierungsmöglichkeiten berücksichtigen
  • Finanzielle Puffer gezielt aufbauen, um Umsatzausfälle oder unerwartete Zahlungen kompensieren zu können.

Was macht ein finanziell stabiles Unternehmen aus

Ein profitables Unternehmen ist nicht automatisch ein finanziell stabiles Unternehmen. Der Gewinn ist eine wichtige Voraussetzung für den langfristigen Erfolg und Fortbestand eines Unternehmens. Im Tagesgeschäft entscheidet jedoch die Liquidität darüber, ob Rechnungen, Gehälter und Steuern rechtzeitig bezahlt werden können.

Wer nur auf den Gewinn schaut, erkennt finanzielle Engpässe oft erst dann, wenn sie bereits auf dem Bankkonto sichtbar sind. Das kann zu einem Teufelskreis führen. Kurzfristige Finanzierungen führen zu zusätzlichen Tilgungen und Zinszahlungen, die nachfolgende Liquiditätsengpässe noch verstärken können.

Eine laufende Liquiditätsplanung schafft zwar nicht automatisch mehr Geld, aber sie schafft Transparenz. Du erkennst frühzeitig, wann finanzielle Engpässe entstehen könnten, und hast genügend Zeit, um gegenzusteuern. Genau das macht ein Unternehmen finanziell stabil: nicht nur profitabel zu wirtschaften, sondern die eigenen Geldflüsse zu kennen und vorausschauend zu steuern.

Du hast das Gefühl, dass dein Unternehmen eigentlich gut läuft, fragst dich aber trotzdem immer wieder, wo das ganze Geld geblieben ist? Gemeinsam bringen wir Transparenz in deine Geldflüsse und entwickeln eine Finanzplanung, die dir zeigt, was finanziell wirklich in deinem Unternehmen passiert. Mehr über meine Arbeit erfährst du auf meiner Seite zur Controlling-Beratung für Unternehmen.