Die wenigsten UnternehmerInnen und GeschäftsführerInnen möchten sich jeden Monat stundenlang mit Unternehmenszahlen beschäftigen. Wenn du dich auf wenige aber die richtigen Zahlen stützt, hast du in kurzer Zeit die Infos, welche du wirklich brauchst. Hier erfährst du auf welche 5 Zahlen ich setze, um zu verstehen, wie gut ein Unternehmen wirklich läuft, egal ob Ein-Personen-Unternehmen (EPU) oder mehrere MitarbeiterInnen.
Der Umsatz: Wie gut verkauft mein Unternehmen?
Diese Zahl ist wohl der Klassiker unter den Kennzahlen. Wie oft liest man nicht auf Social Media Plattformen wie viel Tausend € pro Monat Umsatz gemacht wird. Klingt doch immer richtig gut, oder?
Ja, dass dein Unternehmen Umsatz macht, ist natürlich die Basis und im besten Fall steigert sich dieser auch nach der Unternehmensgründung kontinuierlich (natürlich oft mit Up und Down Phasen inkludiert). Das heißt die Höhe des Umsatzes, also was du an Geld einnimmst, ist wirklich wichtig ABER es sagt zum Beispiel nichts darüber aus, ob du von deinem Unternehmen leben kannst, alle Fixkosten immer gedeckt werden können und am Bankkonto genügend Geld ist. Beispielsweise kann es in einem Unternehmen so aussehen:
- 2025: 180.000 € Umsatz
- 2026: 220.000 € Umsatz
Auf den ersten Blick eine positive Entwicklung. Der Umsatz ist um mehr als 20 % gestiegen! Ein steigender Umsatz bedeutet, aber nicht automatisch, dass das Unternehmen erfolgreicher geworden ist. Vielleicht sind im gleichen Zeitraum die Kosten sogar stärker gestiegen als der Umsatz. Wenn du hier den Umsatz nur isoliert betrachtest, geht die wesentliche Info verloren. Daher ist der Umsatz eine wichtige Zahl aber sollte niemals allein betrachtet werden. Stelle dir am besten Fragen, welche eine bestimmte Abhängigkeit oder Variable in Bezug auf den Umsatz beinhalten.
- Wie entwickelt sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr?
- Wie entwickeln sich die Kosten im Vergleich zum Umsatz?
- Welche Produkte oder Leistungen tragen am meisten zum Umsatz bei? Hat sich hier etwas verändert?
Dein Gewinn: Was bleibt wirklich übrig?
Der Gewinn sagt als Kennzahl schon deutlich mehr aus, da hier vom Umsatz die Kosten abgezogen werden. Eine detaillierte Erklärung dazu findest du hier. Wie viel aussagekräftiger der Gewinn ist, zeigt dieses Beispiel:
Unternehmen A:
- Umsatz: 400.000 €
- Gewinn: 80.000 €
Unternehmen B:
- Umsatz: 600.000 €
- Gewinn: 20.000 €
Welches Unternehmen ist erfolgreicher?
Spontan würden viele auf Unternehmen B tippen, weil sie zuerst auf den höheren Umsatz schauen. Aus finanzieller Sicht ist Unternehmen A aber deutlich profitabler! Deshalb sagt der Gewinn wesentlich mehr als Kennzahl aus als der Umsatz. Hinterfrage am besten regelmäßig:
- Wie hoch ist mein Gewinn pro Monat/ Jahr?
- Wie entwickelt sich der Gewinn über Monate und Jahre?
- Bei Umsatzwachstum: Bleibt auch dementsprechend mehr Gewinn übrig?
Liquidität: Ohne Moos nichts los – Cash ist fesch!
Zugegeben, das sind nicht die besten Reime aber sie treffen genau ins Schwarze! Ein hoher Umsatz und gute Gewinne sagen nämlich noch nicht viel darüber aus, wie viel Geld wirklich auf dem Konto liegt (= Liquidität – liquide sein). So ziemlich jedes Unternehmen und jede/r Selbstständige kennt diese Situation: Eine hohe Zahlung ist zu leisten, ein/e HauptkundIn hat seine/ihre Rechnung aber noch nicht bezahlt und somit ist es knapp auf deinem Bankkonto. In dem Moment ist es dir egal, ob du generell gute Umsätze und einen hohen Gewinn machst, du benötigst Geld und zwar jetzt.
UnternehmerInnen verwechseln häufig Gewinn und Liquidität. Wobei das zwei komplett unterschiedliche Dinge sind, wie dieses Beispiel zeigt: Ein Unternehmen kann Gewinn machen und trotzdem Geldprobleme bekommen.
Du stellst im Juni Rechnungen über 15.000 €. Die KundInnen zahlen aber erst im September. Gleichzeitig musst du im Juli bezahlen:
- Miete
- Gehälter
- Sozialversicherung
- Externe DienstleisterInnen
Auf dem Papier machst du Gewinn. Am Bankkonto könnte es trotzdem knapp werden. Somit kann ein Unternehmen Gewinn machen und trotzdem Geldprobleme bekommen, wenn das Timing von Einzahlungen und Auszahlungen einfach nicht zusammenpasst. Unternehmenskrisen entstehen häufig nicht wegen fehlender Gewinne, sondern weil zwischenzeitlich die Liquidität zu knapp ist.
Stelle dir daher folgende Fragen:
- Wie viel Geld steht dem Unternehmen aktuell zur Verfügung?
- Kann ich damit die Zahlungen in den nächsten Wochen decken?
- Wann ist mit Zahlungen von KundInnen zu rechnen?
- Habe ich ausreichend Reserven, wenn nicht (pünktlich) gezahlt wird?
Weitere Tipps zur Liquiditätsplanung, liest du in einem eigenen Blogbeitrag dazu nach oder investiere in dein Wissen auf der Plattform Businesswissen.at. Dort findest du meinen Kurs inkl. Excel Template für die Liquiditätsplanung.
Gewinnmarge: Wie viel bleibt von jedem Euro Umsatz übrig?
Die Gewinnmarge zeigt wie viel Prozent des Umsatzes am Ende als Gewinn übrigbleiben. Somit kannst du mit einer Zahl erkennen, wie effizient und rentabel dein Unternehmen arbeitet. Schauen wir uns dafür wieder ein Beispiel an.
Berechnung: Gewinn ÷ Umsatz × 100
Ein Unternehmen hat folgende Daten:
- Umsatz: 200.000 €
- Gewinn: 30.000 €
Gewinnmarge: 30.000 / 200.000 * 100 = 15%
Eine Gewinnmarge von 15% bedeutet also, dass von jedem erwirtschafteten Euro 15 Cent Gewinn übrigbleiben.Die Gewinnmarge hilft dir also dabei frühzeitig Entwicklungen zu erkennen. Wenn dein Umsatz steigt, aber die Marge sinkt, kann das nämlich ein Hinweis sein auf:
- zu niedrige Preise
- steigende Kosten
- unrentable Aufträge
- ineffiziente Prozesse
Steuerrücklage: Habe ich genug Geld für Steuern und Abgaben auf der Seite?
Nicht der gesamte Gewinn bleibt am Ende im Unternehmen. Ein Teil davon wird später für Steuern und Abgaben benötigt. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt unter anderem von der Rechtsform, der Unternehmensgröße und dem Gewinn ab. Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig zu prüfen, ob ausreichend Geld für zukünftige Steuer- und Abgabenzahlungen zurückgelegt wurde. Achte daher auf Folgendes:
- Wie hoch ist mein aktueller Gewinn?
- Welche Steuer- und Abgabenzahlungen sind voraussichtlich zu erwarten und wann?
- Lege ich dafür regelmäßig ausreichend Geld zurück?
Gerade in kleinen Unternehmen entstehen finanzielle Engpässe häufig nicht wegen fehlender Aufträge, sondern weil künftige Steuerzahlungen bei der Planung nicht berücksichtigt wurden. Genau da schließt sich der Kreis und wir sind wieder beim Thema Liquidität. Wer seine Steuerrücklage im Blick hat, vermeidet böse Überraschungen und schafft finanzielle Sicherheit.
In weiteren Artikeln findest du Informationen zur Berechnung der Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Sozialversicherung.
Zusammenfassend: Welche Zahl dein Unternehmen braucht, entscheidest du.
Niemand liest gerne: „Es kommt darauf an, was du wirklich brauchst. Das ist individuell.“ Genau das ist es aber, weil wirklich jedes Unternehmen anders ist. Meine Herangehensweise ist folgende: „Better done, than perfect.“ Wenn dir 5 Zahlen schon zu viel sind, dann fang einfach mal dort an, wo du wirklich Klarheit brauchst.
- Du hast laufend zu wenig Geld am Unternehmenskonto? Dann kümmere dich um deine Liquidität.
- Deine Umsätze sind hoch, aber es bleibt zu wenig übrig? Dann beschäftige dich genau mit der Gewinnmarge.
- Dein Unternehmen ist profitabel aber Steuerzahlungen überraschen dich immer wieder. Dann beschäftige dich mit deinen Steuerrücklagen.
Am Ende sollen diese Zahlen nicht in einem Excel verstauben, welches du ohnehin nicht gerne öffnest, sondern dir schnell wirklich wichtige Informationen liefern, um dein Unternehmen sicher zu führen. Es geht nämlich nicht um die Menge der Informationen und Zahlen sondern um die richtigen Zahlen.

